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Dauerstress

  • vor 13 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Vor Kurzem las ich einen spannenden Artikel über Frauen unter Dauerstress. Darin beschreibt die Biochemikerin Libby Weaver, wie unser Körper nicht plötzlich “kaputtgeht”, sondern uns lange vorher Signale sendet: schlechter Schlaf, Verdauungsprobleme, Gereiztheit, Erschöpfung, innere Unruhe oder das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Der Körper schreit nach Ruhe – nur hören wir oft erst hin, wenn er bereits laut geworden ist. (Fritz und Fränzi⁠)

Während ich den Artikel las, musste ich immer wieder an unsere Hunde denken.

Denn ihre Physiologie funktioniert in vielen Bereichen erstaunlich ähnlich.

Auch Hunde besitzen ein Nervensystem mit einem Sympathikus (Gas geben) und einem Parasympathikus (Ruhe und Regeneration). Auch sie schütten bei Stress Adrenalin und Cortisol aus. Und auch ihr Körper ist darauf ausgelegt, nach einer Belastung wieder in die Erholung zurückzufinden.

Genau dort beginnt jedoch häufig das Problem.

Viele Hunde leben heute in einer Welt voller Reize: Begegnungen, Verkehr, Geräusche, Erwartungen, Training, Ausflüge, Hundekontakte und Beschäftigung. Alles für sich genommen vielleicht gut gemeint – doch das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen “gutem” und “schlechtem” Stress. Es verarbeitet lediglich Belastung.

Während wir Menschen vielleicht sagen:

“Ich bin einfach nur müde.”

zeigt ein Hund seine Überlastung anders:

* er schläft schlechter

* er reagiert schneller auf Umweltreize

* er wird unruhig oder hektisch

* er kann schlechter lernen

* er entwickelt Verdauungsprobleme

* er beginnt stärker zu wachen oder zu jagen

* er wirkt plötzlich “schwierig”

Dabei ist er oft gar nicht schwierig.

Sein Körper versucht lediglich mitzuteilen:

“Ich brauche eine Pause.”

Genau wie beim Menschen entstehen viele Probleme nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch die Summe vieler kleiner Belastungen. Das Nervensystem füllt sich langsam – bis der berühmte letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen bringt.

Deshalb beginnt Verhaltensberatung für mich selten mit Training.

Sie beginnt mit Zuhören.

Wie schläft der Hund?

Wie sieht sein Alltag aus?

Wo kann sein Nervensystem überhaupt herunterfahren?

Wo können wir Sicherheit schaffen?

Denn Lernen findet nicht im Alarmzustand statt.

Ein Organismus – egal ob Mensch oder Hund – lernt am besten dann, wenn er sich sicher fühlt.

Vielleicht dürfen wir deshalb unseren Blick verändern.

Nicht sofort fragen:

“Wie bekomme ich dieses Verhalten weg?”

Sondern zuerst:

“Was versucht mir der Körper meines Hundes gerade zu erzählen?”

Oft liegt genau dort der Schlüssel.

Nicht mehr Training.

Sondern mehr Regeneration.

Nicht mehr Auslastung.

Sondern mehr Sicherheit.

Nicht noch ein Programm.

Sondern eine echte Pause.

Denn manchmal ist das Wertvollste, was wir unserem Hund schenken können, genau das Gleiche, was wir selbst so dringend brauchen:

RUHE

Deshalb machen wir jetzt Ferien, gehen es ruhig an und essen Eis



 
 
 

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